volleyball-unterelbe.de

Willkommen in der Volleyball-Region Unterelbe

Juni 29th, 2017

Volleyball-Talent auf den Spuren der Mutter

SPORT REGIONAL, by tz.

Die 16-jährige Nele Schmitt aus Bliedersdorf wechselt in diesem Jahr an den Bundesstützpunkt in Stuttgart – die Familie investiert viel Zeit und Geld

Vom Tim Scholz und Günther Schultz

BLIEDERSDORF. Die Bliedersdorferin Nele Schmitt (16) ist eines der größten Volleyballtalente in Deutschland. Ihr Ziel: Sie möchte erfolgreicher werden als ihre Mutter.

Nele Schmitt war noch nicht einmal geboren, da wurde sie bereits Deutsche Vizemeisterin im Beachvolleyball. Diese zunächst unglaubliche, aber vor allem amüsante Geschichte trug sich vor mehr als 16 Jahren am Strand von Timmendorf zu. Silke Schmitt war mit Nele im dritten Monat schwanger und holte, wie ein Internetportal berichtete, „ohne Springen und viel Bewegen, aber dafür mit Routine und einer runden Kugel“ die Vizemeisterschaft.

An einem schwülen Nachmittag vor wenigen Tagen sitzt Nele Schmitt mit ihrer Mutter Silke und Vater Rolf auf der überdachten Terrasse des Einfamilienhauses in Bliedersdorf. Nele Schmitt ist inzwischen 16 Jahre alt, misst 1,84 Meter und ist auf dem besten Weg, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten.

„Ich möchte besser werden als sie“, sagt die Tochter mit einem verschmitzten Grinsen in Richtung ihrer Mutter. Ein hochgestecktes Ziel. Silke Schmitt hatte zwei Deutsche Vizemeisterschaften auf Sand und eine Deutsche Meisterschaft in der Halle gewonnen und 65 Länderspiele bestritten, ehe Knieprobleme die Volleyball-Karriere beendeten.

Um dem Ziel näherzukommen, wagt Nele Schmitt einen großen Schritt. Im September wechselt die Hamburger Auswahlspielerin vom Olympiastützpunkt in der Hansestadt an den Bundesstützpunkt in Stuttgart. Dort wird sie von der Beachvolleyball-Bundestrainerin lernen, Spielpraxis in der dritten Liga sammeln und ein Gymnasium besuchen, das mit dem Stützpunkt kooperiert. „Ich bin schon sehr aufgeregt“, sagt Nele Schmitt.

Auch wenn Silke Schmitt sagt, dass eine „kritische Entfernung“ von fast 700 Kilometern zwischen Stuttgart und Bliedersdorf liegt – heißt sie den Wechsel ihrer Tochter in den Süden für gut: „Es ist genau das Richtige, wenn Nele mit Spaß und Ehrgeiz bei der Sache ist.“

Die Mutter hatte das Elternhaus mit 18 Jahren verlassen, um bei einem Spitzenteam in Bayern aufzuschlagen. Dort lernte sie ihren Ehemann und späteren Trainer kennen.

Das vergangene Jahr kann bereits als Test im Kleinen herhalten. Denn da wohnte Nele Schmitt in einem WG-Zimmer an der Eliteschule des Sports in Hamburg. Neben der Schule standen unter der Woche 14 Trainingsstunden am Olympiastützpunkt und im „BeachCenter“ auf dem Programm. Die Turniere bestritt Familie Schmitt auf eigene Faust und eigene Kosten.

Mit Vater und „Heimtrainer“ Rolf spulte Nele Schmitt tausende Kilometer im Auto ab. Um den Aufwand zu verdeutlichen, legt er vier Din-A4-Seiten auf den Gartentisch. Die Auflistung von knapp 90 Turnieren und Karriereschritten zeugt von dem großen Aufwand und dem Verzicht in den vergangenen fünf Jahren. Sponsoren: Fehlanzeige.

Nachdem Nele Schmitt für Eis- und Rollkunstlauf zu groß geworden war, entschied sie sich aus eigenem Antrieb für die Sportart ihrer Eltern. Es war der Reiz, nicht ausgewechselt werden zu können und für jede Aktion und jeden Fehler selbst verantwortlich zu sein, weshalb sie beim Volleyball blieb. „Und natürlich wegen der Strände“, sagt Schmitt.

Die Grundausbildung genoss sie beim TuS Jork unter ihrem Lieblingstrainer Volker Schwarmann. Wenig später ging es steil aufwärts:

  • 2013 trainierte Nele Schmitt zum ersten Mal im Nachwuchsbereich des damaligen Bundesligisten VT Aurubis mit
  • 2014 folgte die Berufung in den Hamburger Landeskader
  • 2015 spielte Schmitt ihre erste von bislang drei Deutschen Jugend-Meisterschaften
  • 2016 gewann die erst 14-Jährige die Hamburger U20-Landesmeisterschaft in der Halle und überzeugte den Bundestrainer bei einer Sichtung für den Beachvolleyball-Kader der Jahrgänge 2000/01
  • In diesem Jahr wurde Schmitt Neunte bei der Deutschen U20-Meisterschaft – es war ihr bisher größter Erfolg. In ihrer Zeit in Stuttgart könnten sogar bis zu vier Deutsche Meisterschaften pro Jahr auf sie zukommen.

Rolf Schmitt bläst die Backen beim Blick auf die Liste auf: „Ohne Idealismus lässt sich all das nicht schaffen.“ Wenn Vater und Tochter unterwegs sind, kümmert sich seine Ehefrau um das Haus und den Rest der Familie. Neles Brüder Björn (18 Jahre/1,97 m) und Ben Schmitt (13/1,90 m) haben zwar Gardemaße, spielen aber keinen Volleyball. Für sie gehen im Moment Ausbildung und andere Sportarten vor.

Nele Schmitt hingegen möchte in den nächsten drei Jahren am Bundesstützpunkt in Stuttgart größtmögliche Fortschritte erzielen, sich über langfristige Ziele aber noch keine Gedanken machen. „Ich bin erst 16, da kann noch sehr viel passieren.“ Die Eltern erwarten, dass sie Sport und Schule denselben Stellenwert gibt. „So lange sie Spaß an unserer Sportart hat“, sagt Rolf Schmitt, „kann es gerne so weitergehen.“

So will ein Buxtehuder Volleyballer den Landkreis Stade wieder konkurrenzfähig machen

LANDKREIS. Wer ein erfolgreicher Volleyballer werden möchte, braucht neben Talent und einer gewissen Körpergröße leistungsorientiertes Training. Eine spezielle Leistungsförderung für Nachwuchstalente, wie sie früher der TuS Jork betrieben hat, wird im Landkreis Stade derzeit allerdings nicht mehr angeboten. Dazu müssen sich die Volleyball-Talente auf den Weg nach Hamburg machen. Einige talentierte Jungen und Mädchen aus dem Landkreis haben es schon in die Hamburger Auswahl und in den Kader des VC Olympia Hamburg geschafft. Der neue Regions-Jugendwart Benjamin Tietje aus Stade möchte vor allem die Möglichkeiten für den männlichen Nachwuchs verbessern. Denn während sich die Sportart bei den Mädchen nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, haben die Chancen für Jungen, eine Mannschaft zu finden und Spielpraxis gegen andere männliche Teams zu sammeln, abgenommen. Tietje möchte daher die Kooperation zwischen den Vereinen fördern, die männlichen Nachwuchs ausbilden. Das funktioniert zwischen seinem Heimatverein, dem VfL Stade, und dem TSV Buxtehude-Altkloster, für den er in der Regionalliga spielt, recht gut. Auch der TSV Hollern-Twielenfleth zeigte sich in ersten Gesprächen nicht abgeneigt. Gelingt eine Zusammenarbeit der drei Vereine aus dem Landkreis mit den meisten Jungen, kommt Tietje seinem Ziel näher, die Region wieder konkurrenzfähig zu machen.

Stader Tageblatt vom 29.06.2017

Back Top

Schreibe einen Kommentar