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Dezember 24th, 2011

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Nachrichten, by tz.

Hannah_Meyer-Mexiko  Noch nicht in Weihnachtsstimmung: Hannah Meyer aus Buxtehude mit ihrer Kollegin Katharina und den Kindern, die sie in Guadalajara in Mexiko unterrichtet.

Heiligabend in Mexiko

Hannah Meyer aus Buxtehude feiert mit einem Cocktail am Strand

BUXTEHUDE/Guadalajara. In Guadalajara in Mexiko gibt es weder Schnee noch geschmackvollen Weihnachtsschmuck. Das hat Jugendreporterin Hannah Meyer (19) während ihres Auslandsjahres festgestellt. Daher ist die Buxtehuderin, die für einen Freiwilligendienst Straßenkinder in Englisch und Sport unterrichtet und zwischen den Stunden im Büro aushilft, in diesem Jahr noch nicht in Weihnachtsstimmung.
Für mich stand seit fünf Jahren fest, dass ich nach dem Abitur ein Jahr ins Ausland gehen würde. Nachdem ich anfangs überlegt hatte, als Au-Pair nach Kalifornien zu gehen, dachte ich mir später, dass ich dieses Jahr auch dafür nutzen könnte, etwas Gutes zu tun, an dem ich reife und menschlich wachse. Deshalb nehme ich teil an dem Programm „weltwaerts“, mit dem junge Menschen nach der Schule in Entwicklungs- und Schwellenländern arbeiten können.
Durch den Vereins „Via“ kam ich vor drei Monaten nach Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos, und ich werde noch neun weitere Monate bleiben. Ich arbeite in einer Schule für „Kinder in Situation der Straße“. Die Kinder mussten oft schon einen Großteil ihres Lebens arbeiten und meist leben sie mit ihrer Familie in einem winzigen Zimmer unter katastrophalen Verhältnissen.
So kommt es nicht selten vor, dass ein Jugendlicher von 14 Jahren noch die erste Klasse besucht oder sie vor dem Schulabschluss beenden muss, weil das Geld nicht reicht. Einige Kinder sind drogenabhängig oder kommen nicht zur Schule, weil die Eltern die Notwendigkeit nicht sehen oder sich nicht kümmern. Die Kinder wollen oft kein Englisch lernen, das ich in zwei Klassen unterrichte. Wozu auch, zum Teil beherrschen sie ihre eigene Sprache nicht mal. Hinzu kommt, dass mein Spanisch zwar nicht mehr miserabel, aber doch noch nicht perfekt ist und Verständigungsprobleme auftreten. In Sport ist die Sache einfacher.
Die Kinder brauchen Bewegung, und die holen sie sich in den Volleyballstunden. Oft verstehen sie meine Anweisungen nicht und am Anfang ist es schwierig, sie zu motivieren. Wenn es dann aber erst einmal losgeht, sind viele sehr engagiert. Vor allem die großen Kinder aus der „Secundaria“ sind sehr viel mehr diszipliniert, als die „Kleinen“ bis zu 13 Jahren. Ich glaube das liegt daran, dass sie eher sehen, dass eine Menge auf dem Spiel steht und dieses der Weg aus der Armut ist.
Weihnachten wird hier ganz anders gefeiert. Den ganzen Dezember über finden Posadas statt, das sind die Feste zu Weihnachten. Sie haben einen religiösen Hintergrund. Dann wird gebetet und für das gute Jahr gedankt, gegessen, gesungen und besinnlich zusammengesessen. Die Mexikaner sind generell viel religiöser als die Deutschen, aber das hält sie nicht davon ab, laute, bunte Feste zu feiern, mit dem traditionellen Getränk Tequila und vielen Spielen. Hier zerschlagen sie zum Beispiel Piñatas, die es in allen Farben und Formen gibt – zur Weihnachtszeit vorzugsweise Weihnachtsmänner oder Rentiere. Die Kinder bekommen dabei die Augen verbunden und müssen wie wild auf die sich bewegende Piñata einschlagen, bis die Süßigkeiten aus dem Inneren purzeln und sich alle darauf stürzen.
Weihnachten werde ich in diesem Jahr bei Temperaturen bis zu 27 Grad erleben. In Mexiko gibt es für mich keinen Winter: Auf meinem Weg zur Schule begegne ich buntem Festtagsschmuck, aber keiner einzigen Schneeflocke. Bis auf die üppige Weihnachtsdeko und die spanischen Jesusfest-Lieder in allen Orten spüre ich wenig Weihnachtsstimmung. Am 24. Dezember werde ich an den Strand gehen. Mit einem Cocktail in der Hand und einigen Freunde an meiner Seite werde ich das heilige Fest zelebrieren. Ohne Schnee, Familie und Besinnlichkeit ist Weihnachten eben doch nicht dasselbe.

Stader Tageblatt vom 24.12.2011

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