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September 11th, 2012

Volleyball im Sand ist Spaß mit Schmerz

SPORT REGIONAL, by tz.
Christian_Voelkers
„Die Freunde der Sonne“ vom TSV Hollern-Twielenfleth: Christian Völkers (48) spielte bei den 18. Charly Open zum ersten Mal mit seinem Sohn Christoph (16) zusammen.
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Jan_Broehan
Ein untrainierter Anfänger wählt die sichere Variante: Jan Bröhan bei der Angabe von unten. Sein Partner Gunther Biegel (links) war mit 66 Jahren der älteste Teilnehmer.
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TAGEBLATT-Redakteur bei den 18. Charly Open

Bassenfleth. Der Sieg vom deutschen Beachvolleyball-Duo Julius Brink und Jonas Reckermann bei den Olympischen Spielen in London gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten, das spannende und sehenswerte Finale gegen die brasilianischen Angstgegner Emanuel Rego und Alison Cerutti bleibt in Erinnerung. Vom olympischen Goldgewinn übermotiviert, meldete ich mich beim alljährlichen Beachvolleyball-Turnier des TSV Hollern-Twielenfleth am Bassenflether Strand an. Die 18. Charly Open von den „Freunden der Sonne“, wie sich die TSV-Volleyballer seit 20 Jahren nennen, waren ein spaßiger Streifzug – allerdings inklusive schmerzlicher Selbsterkenntnis und schmerzhaftem Körper. TAGEBLATT-Sportreporter haben’s nicht leicht.
In der fünften Klasse hatte ich während der Orientierungs-Stufe am Jorker Schulzentrum Volleyball-Unterricht bei Volker Schwarmann. Fußball blieb aber mein Sport, also trat ich seitdem auch Volleybälle nur noch mit Füßen, wenn mir einer über den Weg rollte. Nun also zum ersten Mal Beachvolleyball mit meinem enormen Wissens- und Erfahrungsschatz. Pritschen, Baggern, Schmettern, kein Problem. Zumal mir der Turnier-Modus der Charly Open zusagt: Könner im Pott A werden mit weniger talentierten Beachvolleyballern, oder eben absoluten Anfängern, aus dem Pott B zusammen gelost. „Der freundschaftliche Charakter steht bei uns ganz klar im Vordergrund“, sagt Turniergründer Philipp Dürkes, 2. Vorsitzender und Leiter der Volleyballabteilung beim TSV Hollern-Twielenfleth. Klar, der Spaß am Spiel ist auch mein Antrieb, aber ein gewisser Ehrgeiz ist freilich dabei. Der wird aber schnell erschüttert.
Im ersten Spiel verstauche ich mir beim ersten Pritschversuch den Zeigefinger der rechten Hand. Die Selbstdiagnose besagt Kapselverstauchung. Eine Schwellung folgt. Im zweiten Spiel wage ich einen Hechtsprung, der ohne Erfolg bleibt. Dafür verdreh ich mir den linken Ellbogen beim Aufprall und mein Kopf fliegt mir so stark in den Nacken, dass ich kurze Zeit denke, außer Gefecht zu sein. Spiel drei und vier bleibe ich verletzungsfrei. Allerdings muss ich schmerzlich erkennen, dass mir die nötige Erfahrung und Technik fehlen. Besonders die Gemeinheit der Gegner, vornehmlich die Angabe auf mich zu spielen, offenbart meine Schwächen.
Mein altersweiser Partner nimmt meine Fehler freundlich und lächelnd hin. Die Lose wollten, dass ich, der mit großem Abstand unerfahrenste Beachvolleyballer, mit dem ältesten, auch mit Abstand, ein Team bilde. Der 66 Jahre alte Gunther Biegel kann sowieso nicht verstehen, dass er in Pott A zu finden ist. „2008 habe ich das Turnier mal gewonnen, und seitdem stecken sie mich aus Strafe zu den Guten“, sagt Biegel. An seiner, des Rentners Stelle, sollten ganz andere Kaliber in Pott A. Zum Beispiel unsere beiden ersten Gegner: Axel Gluth und Christoph Wiechern. Sie besiegen uns mit 25:16 und spielen sich bis ins Finale. Gunter Biegel und ich verlieren nach dem Auftaktmatch die weiteren Gruppenspiele mit 18:25, 19:25 und 21:25. „Ich hatte mir das viel schlimmer vorgestellt“, lautete das Lob meines Partners. Immerhin. Der 66-jährige Gunther Biegel war vor zwei Jahren noch treibende Kraft bei der Entscheidung, ob die zweite Mannschaft des TSV Hollern-Twielenfleth den sportlichen Aufstieg in die Landesliga wahrnehmen soll. Er zählte zu den Ehrgeizigen. Zwar folgte der Abstieg in die Bezirksliga, aber dort stellt der TSV ab dieser Saison eine dritte Mannschaft: die Alten Herren. Da kommt es zu interessanten Duellen. „Wir haben die größte Volleyballabteilung im Landkreis“, sagt Philipp Dürkes.
Zu den Alten Herren gehört auch Christian Völkers mit seinen 48 Lenzen. Der „Freund der Sonne“ hat an jedem Beachvolleyball-Turnier teilgenommen. Diesmal bekam er eine Sondererlaubnis: Sein Team wurde nicht ausgelost, er durfte mit seinem 16-jährigen Sohn Christoph zusammen spielen. Der Junior wollte mit dem Vater spielen, nicht andersherum, wie Christian Völkers klarstellt. „Früher habe ich Christoph noch im Kinderwagen hierher geschoben“, erzählt der Papa. Die Charly Open haben viele Geschichten und treue Teilnehmer, die jedes Jahr von Spiekeroog oder Neuss anreisen.
Die neuen Sieger der zehn Frauenteams sind Henrike Dürkes und Sina Wallisch. Lohn: Der Pokal die „Bassenflether Zicke“. Auf den „Bassenflether Bock“ werden die Sieger Stefan Marquardt und Jens Nehring verewigt. Sie haben sich unter 15 Teams durchgesetzt.
Ich spüre noch drei Tage später Muskelpartien, die ich vorher gar nicht kannte. Organisator Philipp Dürkes beruhigt mich: „Ich bin in der Nacht auch mit Krämpfen in den Waden aufgewacht.“ Wir werden halt alt, sagt der 38-Jährige. Und: „Das ist schon Sport“ – bei allem Spaß. jb

Stader Tageblatt vom 11.09.2012

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